Composer: Franz Schubert (1797-1828) Author: Friedrich von Schiller (1759-1805)

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Artists: Josefine Mindus - Sopran / Peter Schöne - Bariton / Emanuel Ratiu - Piano
Recorded: Sunday, 10 June 2018 - Hannover



heutige Schreibweise

Andromache
 Will sich Hektor ewig von mir wenden,
 Wo Achill mit unnahbaren Händen
 Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt?
 Wer wird künftig deinen Kleinen lehren
 Speere werfen und die Götter ehren,
 Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?

Hektor
 Teures Weib gebiete deinen Tränen,
 Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,
 Diese Arme schützen Pergamos.
 Kämpfend für den heil'gen Herd der Götter
 Fall ich, und des Vaterlandes Retter
 Steig' ich nieder zu dem styg'schen Fluß.

Andromache
 Nimmer lausch' ich deiner Waffen Schalle,
 Müßig liegt dein Eisen in der Halle,
 Priams großer Heldenstamm verdirbt.
 Du wirst hingeh'n wo kein Tag mehr scheinet,
 Der Cocytus durch die Wüsten weinet,
 Deine Lieb' im Lethe stirbt.

Hektor
 All mein Sehnen will ich, all mein Denken,
 In des Lethes stillen Strom versenken,
 Aber meine Liebe nicht.
 Horch! der Wilde tobt schon an den Mauern,
 Gürte mir das Schwert um, laß das Trauern,
 Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.

historische Schreibweise

        Andromache.
Will sich Hektor ewig von mir wenden,
Wo Achill mit den unnahbar'n Händen
Dem Patroklus schrecklich Opfer bringt?
Wer wird künftig deinen Kleinen lehren
Speere werfen und die Götter ehren,
Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?

         Hektor.
Theures Weib gebiete deinen Thränen,
Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,
Diese Arme schützen Pergamus.
Kämpfend für den heil'gen Heerd der Götter
Fall ich, und des Vaterlandes Retter
Steig' ich nieder zu dem styg'schen Fluß.

       Andromache.
Nimmer lausch' ich deiner Waffen Schalle,
Müßig liegt dein Eisen in der Halle,
Priams großer Heldenstamm verdirbt.
Du wirst hingeh'n wo kein Tag mehr scheinet,
Der Cocytus durch die Wüsten weinet,
Deine Liebe in dem Lethe stirbt.

      Hektor.
All mein Sehnen will ich, all mein Denken,
In des Lethe stillen Strom versenken,
Aber meine Liebe nicht.
Horch! der Wilde tobt schon an den Mauern,
Gürte mir das Schwerdt um, laß das Trauern,
Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.

 

Urfassung aus Die Räuber von 1781

Willst dich, Hektor, ewig mir entreissen,
Wo des Anaciden mordend Eisen
Dem Patroklus schröklich Opfer bringt?
Wer wird künftig deinen Kleinen lehren
Speere werfen und die Götter ehren,
Wenn hinunter dich der Xanthus schlingt?

Theures Weib, geh, hol die Todeslanze,
Laß mich fort zum wilden Kriegestanze,
Meine Schultern tragen Ilium;
Ueber Astyanax unsre Götter!
Hektor fällt, ein Vater-Lands Erretter,
Und wir sehn uns wieder in Elysium.

Nimmer lausch ich deiner Waffen Schalle,
Einsam liegt dein Eisen in der Halle,
Priams grosser Heldenstamm verdirbt!
Du wirst hingehn, wo kein Tag mehr scheinet,
Der Cocytus durch die Wüsten weinet,
Deine Liebe in dem Lethe stirbt.

All mein Sehnen, all mein Denken
Soll der schwarze Lethefluß ertränken,
Aber meine Liebe nicht!
Horch! der Wilde raßt schon an den Mauren –
Gürte mir das Schwerd um, laß das Trauren,
Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht!

historische Schreibweise

        Andromache.
Will sich Hektor ewig von mir wenden,
Wo Achill mit unnahbaren Händen
Dem Patroklus schreklich Opfer bringt?
Wer wird künftig deinen Kleinen lehren
Speere werfen und die Götter ehren,
Wenn der finstre Orkus dich verschlingt?

         Hektor.
Theures Weib gebiethe deinen Thränen,
Nach der Feldschlacht ist mein feurig Sehnen,
Diese Arme schützen Pergamos.
Kämpfend für den heil'gen Herd der Götter
Fall ich, und des Vaterlandes Retter
Steig ich nieder zu dem stygschen Fluss.

       Andromache.
Nimmer lausch' ich deiner Waffen Schalle,
Müßig liegt das Eisen in der Halle,
Priams großer Heldenstamm verdirbt.
Du wirst hingehn wo kein Tag mehr scheinet,
Der Cocytus durch die Wüsten weinet,
Deine Lieb' im Lethe stirbt.

      Hektor.
All mein Sehnen will ich, all mein Denken
In des Lethe's stillen Strom versenken,
Aber meine Liebe nicht.
Horch, der Wilde tobt schon an den Mauern,
Gürte mir das Schwert um, lass das Trauern,
Hektors Liebe stirbt im Lethe nicht.

Nach dem Erstdruck

Sources & alternative Compositions: www.lieder.net

Creation

Written:

Published: 06. April 1826

Key: A♭-Major

Schema: Duett

Characteristic:

Zum Text

Textbild
Hektors Abschied von Andromache, Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, 1812

Hektors Abschied beschreibt eine Begebenheit aus dem Heldenepos Ilias von Homer, in der sich Hektor von seiner Frau Andromache zu seinem zu erwartenden letzten Kampf verabschiedet. Friedrich Schiller lässt in seinem Drama Die Räuber sein Gedicht zu dieser Begebenheit von Amalia von Edelreich in der 2. Szene des 2. Aktes singen.
Man kann den Erstdruck als Digitalisat der Koninklijke Bibliotheek - National Library of Netherlands bei Google-Books nachlesen.
Das Gedicht erschien 1800 in Gedichte von Friederich Schiller, Erster Theil, Leipzig, 1800, bey Siegfried Lebrecht Crusius. Es findet sich auf den Seiten 301-302.

Achill: Held der griechischen Mythologie -> Wikipedia

Patroklos: ein griechischer Kämpfer -> Wikipedia

Orkus: Unterwelt -> Wikipedia

Pergamos -> Wikipedia

Styg'scher Fluss -> Wikipedia

Priam: König von Troja -> Wikipedia

Cocytus: Seitenarm des Styx -> Wikipedia

Lethe: Strom der Unterwelt -> Wikipedia

Zur Musik

Schubert und Schiller sich nie begegnet, denn Schubert war erst 8 Jahre und 3 Monate alt, als Friedrich von Schiller in Weimar starb. Dennoch hatte Schubert ein inniges Verhältnis zu den Texten und Gedichten Friedrich Schillers.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Schubert 39 Texte von Schiller vertonte. Dazu zählen die ersten, uns bekannten Vertonungen ebenso wie einige der letzten, die Schubert schrieb.
Zählt man alle Fragmente und Entwürfe zusammen, die heute laut Deutschverzeichnis bekannt sind, so kommt man auf nicht weniger als 77 Werke, die uns vorliegen. Die meisten entstanden in der Jugend Schuberts. Allein 66 Kompositionen in der Zeit zwischen 1811 und 1817. In dieser Zeit war Schubert zwischen 14 und 20 Jahre alt.

Schiller-Vertonungen auf dieser Homepage.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Autographs der ersten Fassung liegt in der Bibliothek des Conservatoire de Paris. Es war zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags noch nicht als Digitalisat verfügbar.

Die Veröffentlichung der ersten Fassung erfolgte im Rahmen der Alten Gesamtausgabe (AGA) 1895.

Die Veröffentlichung der hier eingespielten zweiten Fassung besorgte laut Ankündigung in der Wiener Zeitung vom 6. April 1826 Thaddäus Weigl als 56tes Werk (später korrigiert als op.58): 4.1
▪ Hektors Abschied (D312)
▪ Emma (D113)
▪ Des Mädchens Klage (D191)

Ein Digitalisat des Erstdrucks kann man in der Österreichischen Nationalbibliothek online studieren:

Deckblatt op 56

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 6. April 1826: 4.2

Wiener Zeitung 1826 04 06

Im T. Weigl'schen Kunst- und Musikverlage
am Graben 1144 (neben dem König von England)
sind ganz neu erschienen:
Hektors Abschied. Emma.
Des Mädchens Klage.
Gedichte von Fr. v. Schiller in Musik gesetzt für eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung von Franz Schubert. 56tes Werk Preis 2 fl. W.W.
Ferner:
Schubert, Fr., der Schmetterling und die Berge, von Fr. v. Schlegel. An den Mond; von Fr. v. Hölty. In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Pianoforte-Begleitung 57tes Werk. Preis 1 fl. 30 kr. W.W.
Beym Erscheinen dieser neuesten Werke des geschätzen Tonsetzers ist zu bemerken, daß derselbe sein Augenmerk vorzüglich dahin gerichtet, jede Schwierigkeit in der Pianoforte-Begleitung entfernt zu halten.


Geschrieben von: Peter Schöne

Score

Friedlaender Bd. IV » 053

original version

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Source of score imslp.org: Hektors Abschied - Zweite Fassung.pdf