Composer: Franz Schubert (1797-1828)
Author: Friedrich von Matthisson (1761-1831)

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Artists: Peter Schöne - Bariton / Holger Berndsen - Piano
Recorded: Monday, 15 August 2016 - München



Lyrics

Ein Fräulein klagt' im finstern Turm,
   Am Seegestad' erbaut.
Es rauscht' und heulte Wog' und Sturm
   In ihres Jammers Laut.

Rosalia von Montanvert
   Hieß manchem Troubadour,
Und einem ganzen Ritterheer
   Die Krone der Natur.

Doch ehe noch ihr Herz die Macht
   Der süßen Minn' empfand,
Erlag der Vater in der Schlacht
   Am Sarazenenstrand.

Der Ohm, ein Ritter Manfry, ward
   Zum Schirmvogt ihr bestellt;
Dem lacht' ins Herz, wie Felsen hart,
   Des Fräuleins Gut und Geld.

Bald überall im Lande ging
   Die Trauerkund' umher:
»Des Todes kalte Nacht umfing
   Die Rose Montanvert.«

Ein schwarzes Totenfähnlein wallt
   Hoch auf des Fräuleins Burg;
Die dumpfe Leichenglocke schallt
   Drei Tag' und Nächt' hindurch.

Auf ewig hin, auf ewig tot,
   O Rose Montanvert!
Nun milderst du der Witwe Not,
   Der Waise Schmerz nicht mehr.

So klagt' einmütig Alt und Jung,
   Den Blick von Tränen schwer,
Vom Frührot bis zur Dämmerung,
   Die Rose Montanvert.

Der Ohm in einem Turm sie barg
   Erfüllt mit Moderduft.
Drauf senkte man den leeren Sarg
   Wohl in der Väter Gruft.

Das Fräulein horchte, still und bang,
   Der Priester Litanei'n;
Trüb' in des Kerkers Gitter drang
   Der Fackeln roter Schein.

Sie ahnte schaudernd ihr Geschick,
   Ihr ward so dumpf und schwer;
Im Todesgraun erstarb ihr Blick,
   Sie sank und war nicht mehr.

Des Turms Ruinen an der See
   Sind heute noch zu schaun.
Den Wandrer faßt in ihrer Näh'
   Ein wundersames Graun.

Auch mancher Hirt verkündet euch,
Daß er, bei Nacht, allda
Oft, einer Silberwolke gleich,
Das Fräulein schweben sah.

Sources & alternative Compositions: www.lieder.net

Creation

Written: September 1814

Published: 1902

Key: g-Minor

Schema: Kantate

Characteristic:

Zum Text

Textbild
Friedrich von Matthisson
Gemälde von Christian Ferdinand Hartmann, 1794

Das 1791 entstandene Gedicht Romanze von Friedrich Matthisson wurde 1802 beim Verlag Orell, Füssli und Compagnie, Zürich veröffentlicht. Es findet sich dort auf S. 283. 2.1
Matthisson war 30 Jahre alt, als er das Gedicht schrieb.

Weitere Ausgaben dieses Gedichtes:
1803 Matthisson, Gedichte, Seite 231 2.3
1810 Matthisson, Gedichte; Neueste verbesserte Auflage, Seite 231 2.4

Zur Musik

Im April 1814 begann Schubert eine ganze Reihe von Gedichten Matthissons zu vertonen. Fast alle Kompositionen stammen aus der Zeit zwischen 1814 und 1816. Am Ende werden es 32 Gedichte sein, die Schubert in Musik setzte, einige von ihnen mehrfach.

Lebenslied schrieb er 1814 im Alter von 17 Jahren. 

Bisher eingespielten Matthisson-Vertonungen auf dieser Webseite

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Manuskript der Ersten Fassung liegt in der Österreichischen Nationalbibliothek. Es wurde erst 1898 wiederentdeckt. Zusammen mit anderen Autographen von Schubert und einem von Beethoven lag es verstaubt auf dem Kirchenchor von St. Peter in Wien.
Über die Entdeckung und die vier Jahre später erfolgte Veröffentlichung durch Josef Mantuani kann man einen Bericht aus erster Hand in der Zeitschrift Die Musik Jhg. 1902 auf den Seiten 1373-1391 lesen. Ein Digitalisat findet sich hier. 4.1

Das Manuskript der Zweiten Fassung liegt in der Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz.

Die Erstveröffentlichung der Zweiten Fassung besorgte Wilhelm Müller, Verlagsnummer 13, Berlin 1868, Ed. Franz Espagne in den Sechs bisher ungedruckte Lieder von Franz Schubert. Nach der in der Königl. Bibliothek zu Berlin vorhandenen Original-Handschrift herausgegeben. (Gesang, Klavier.) 4.2

Es erschien gemeinsam mit
Sehnsucht D 52
Thekla eine Geisterstimme D 73
An den Mond D 296
An die Entfernte D 765
Romanze. Rosalia von Mortimer D 114
Abendlied der Fürstin D 495


Geschrieben von: Peter Schöne

Score

BA V » 130

Manuscript
schubertmanu

firstprint

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Source of score imslp.org: Romanze - Erste Fassung.pdf