Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Karl Gottfried Ritter von Leitner (1800-1890)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 20. Mai 2009 - Erfurt



Liedtext

heutige Schreibweise

Wie blitzen
Die Sterne
So hell durch die Nacht!
Bin oft schon
Darüber
Vom Schlummer erwacht.
 
Doch schelt' ich
Die lichten
Gebilde d'rum nicht,
Sie üben
Im Stillen
Manch heilsame Pflicht.
 
Sie wallen
Hoch oben
In Engelgestalt,
[Und]1 leuchten
Dem Pilger
Durch Heiden und Wald.
 
Sie schweben
Als Bothen
Der Liebe umher,
Und tragen
Oft Küsse
Weit über das Meer.
 
Sie blicken
Dem Dulder
Recht mild in's Gesicht,
Und säumen
Die Thränen
Mit silbernem Licht.
 
[Sie]2 weisen
Von Gräbern
Gar tröstlich und hold
Uns hinter
Das Blaue
Mit Fingern von Gold.
 
So sey denn
Gesegnet
Du strahlige Schar!
Und leuchte
Mir lange
Noch freundlich und klar.
 
Und wenn ich
Einst liebe,
Seyd hold dem Verein,
Und euer
Geflimmer
Laßt Segen uns seyn.

1 Schubert: "Sie"
2 Schubert: "Und"

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: Januar 1828

Veröffentlichung (angezeigt): 1828

Originaltonart: Es

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Leitner 1857

Das 1819 geschriebene Gedicht wurde 1825 bei Sollinger in Wien veröffentlicht. Es findet sich auf Seite 19 des Gedichtbandes von Leitner. Ein Digitalisat der Printausgabe kann online studiert werden.

Leitner und Schubert sind sich nie begegnet, wie Leitner selbst bezeugte.

Heinrich Kreissle von Hellborn schreibt in seinen biografischen Notizen zu Franz Schubert:

Auch der Dichter Gottfried Ritter von Leitner, der um das Jahr 1825 in die Familie eingeführt worden war, gehörte dem auserlesenen Kreise an, von welchem sich diese fortan umgeben sah, und jene von seinen Gedichten, welche Schubert in den Jahren 1827 und 1828 in Musik setzte, waren diesem von Frau Marie Pachler zur Composition empfohlen worden. 3

Allerdings schreibt Leitner selbst am 28. März 1858 an Ferdinand Luib:

Leider kann ich den in Ihrem verehrten Schreiben vom 17. d. M. ausgesprochenen Wünschen nicht in vollem Umfange entsprechen; denn mein Freund Dr. Faust Pachler hat sich in meinen Beziehungen zu Schubert geirrt, indem dieser während meiner zufälligen Abwesenheit von Graz hier auf Besuch war, und ich ihn überhaupt nie persönlich kennen lernte. 4

Und an Heinrich Schubert schreibt er am 24. Dezember 1881:

... Ich erlaube mir, in bezug auf mein Verhältnis zu Franz Schubert einen Irrtum zu berichtigen, der sich in einigen Biographien Ihres berühmten Verwandten eingeschlichen hat, und den Sie auch zu theilen scheinen. Ich habe nämlich leider nicht die Ehre genossen, ihn zu meinen persönlichen Bekannten zählen zu dürfen. Unsere küsntlerischen Beziehungen wurden immer nur durch andere vermittelt. ...
und weiter:
... aber Dr. Pachlers kunstsinnige Gemahlin, Marie Pachler, eine Virtuosin auf dem Pianoforte ... machte Schubert auf die im Sommer 1825 erschienene erste Auflage meiner Gedichte aufmerksam und verehrte ihm ein Exemplar dieses kleinen Bändchens. 5

 

Zur Musik

Schubert vertonte 8 Gedichte von Leitner. Die Sterne D 939 erklang in Schuberts einzigem öffentlichen Konzert am 26. März 1828 im Musikverein. Das Programm zu diesem Konzert wurde in der Zeitschrift Der Sammler am 25. März 1828 komplett abgedruckt:

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung als op. 96 besorgte das Lithografische Institut Wien unter Franz v. Schober.
Die Sterne D 939
Jägers Liebeslied D 909
Wanderers Nachtlied D 768
Fischerweise D 881

Der Erstdruck ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek verfügbar.

Deckblatt opus 96

In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Begleitung des Piano-Forte und Jhrer fürstl. Gnaden der Frau Fürstin v. Kinsky. geb. Freyinn v. Kerpen, Sternkreuz-Ordens-Dame, Dame du Palais ihrer Majestät der Kaiserin und Obersthofmeisterin ihrer k.k. Hoheit der Durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Sophie in tiefester Ehrfurcht geweiht von Franz Schubert.


Quelle(n)

3 Kreissle von Hellborn, Heinrich: Franz Schubert, Erstdruck: Wien (Carl Gerolds Sohn) 1865.

4 Deutsch, Otto Erich: Schubert, Die Erinnerungen seiner Freunde, Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1957, S. 78

5 Deutsch, Otto Erich: Schubert, Die Erinnerungen seiner Freunde, Breitkopf & Härtel, Leipzig, 1957, S. 167ff.

Österreichische Nationalbibliothek

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.601


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle imslp.org o.a.: Die Sterne.pdf