Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Gottfried von Herder (1744-1803)

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Interpreten: Agatha Dembska-Kornaga - Mezzosopran / Peter Schöne - Bariton / Giorgos Karagiannis - Piano
Aufnahme: Sonntag, 10. Juni 2018 - HÖsterreichische Nationalbibliothek, ANNO, Digitalisierte Zeitungen und Zeitschriften,ver



Liedtext

heutige Schreibweise

Dein Schwerdt, wie ists von1.1 Blut so rot?
     Edward, Edward1.2!
Dein Schwerdt, wie ists von1.1 Blut so rot
     Und gehst so traurig da! - O!
Ich hab geschlagen meinen Geier tot
     Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen meinen Geier tot,
     Und das, das geht mir nah! - O!

Dein's1.3 Geiers Blut ist nicht so rot!
     Edward, Edward!
Dein's1.3 Geiers Blut ist nicht so rot,
     Mein Sohn, bekenn mir frei! - O!
Ich hab geschlagen mein Rotroß tot!
     Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen mein Rotroß tot!
     Und's1.4 war so stolz und treu! O!

Dein Roß war alt und hasts nicht not!
     Edward, Edward,
Dein Roß war alt und hasts nicht not,
     Dich drückt ein ander1.5 Schmerz. O!
Ich hab geschlagen meinen Vater tot,
     Mutter, Mutter!
Ich hab geschlagen meinen Vater tot,
     Und das, das quält mein Herz! O!

Und was wirst du nun an dir tun?
     Edward, Edward!
Und was wirst du nun an dir tun?
     Mein Sohn, bekenn mir mehr1.6! O!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn!
     Mutter, Mutter!
Auf Erden soll mein Fuß nicht ruhn!
     Will wandern über1.7 Meer! O!

Und was soll werden dein Hof und Hall,
     Edward, Edward,
Und was soll werden dein Hof und Hall,
     So herrlich sonst und schön! O!
Ach! immer stehs und sink' und fall,
     Mutter, Mutter!
Ach immer stehs und sink' und fall,
     Ich werd es nimmer1.8 sehn! O!

Und was soll werden dein Weib und Kind,
     Edward, Edward?
Und was soll werden dein Weib und Kind,
     Wann1.9 du gehst über1.7 Meer - O!
Die Welt ist groß! laß sie betteln drin,
     Mutter, Mutter!
Die Welt ist groß! laß sie betteln drin,
     Ich seh sie nimmermehr! - O!

Und was soll deine Mutter tun?
     Edward, Edward!
Und was soll deine Mutter tun?
     Mein Sohn, das sage mir! O!
Der Fluch der Hölle soll auf Euch ruhn,
     Mutter, Mutter!
Der Fluch der Hölle soll auf Euch ruhn,
     Denn ihr, ihr rietets1.10 mir! O.

1.1 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "vom"
1.2 Schubert: "Eduard, Eduard", passim
1.3 Schubert: "Deines"
1.4 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "Und es"
1.5 Schubert: "andrer"
1.6 Schubert (1862 edition only): "das sage mir"
1.7 Schubert (Alte Gesamtausgabe): "übers"
1.8 Schubert (Alte Gesamtausgabe only), and Herder (1779 edition): "Mag nie es wieder"
1.9 Schubert: "Wenn"
1.10 Schubert (Neue Gesamtausgabe): "rietet es"

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: September 1827

Veröffentlichung (angezeigt): 16. Juni 1862

Originaltonart: g-Moll

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Title page of third edition of Reliques of Ancient English Poetry

Das ursprünglich schottische Gedicht mit dem Titel Edward, Edward A Scottish Ballad from a MS. copy transmitted from scottland wurde von Thomas Percy 1765 in Reliques of Ancient English Poetry: Consisting of Old Heroic Ballads, Songs, and other Pieces of our earlier Poets, (Chiefly of the Lyric kind.) Together with some few of later Date. 3 Bde. London: Dodsley in Band 1 veröffentlicht.
▪ Digitalisat auf hathitrus.org. S. 53ff

Johann Gottfried Herder veröffentlichte die Übersetzung dieses Gedichts im ersten Band Von Deutscher Art und Kunst. Einige fliegende Blätter. Hamburg, 1773. Bey Bode.
▪ Digitalisat im Münchener Digitalisierungszentrum online studiert. S. 25ff.

Zur Musik

Schubert hatte dieses Lied für den Druck in op. 106 vorgesehen. Er entschied jedoch vor der Veröffentlichung, dass an seiner Stelle Gesang (Was ist Silvia, saget an) auch An Silvia D891 treten solle.
Er schrieb das Lied als Dialog für eine weibliche und eine männliche Stimme. Die erste Fassung enthält ein Vorspiel, welches in der zweiten Fassung fehlt. Der Schluss der dritten Fassung endet als Duett von Frauen- und Männerstimme.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Manuskript der ersten Fassung findet man als Digitalisat in The Morgan Library New York. Es kann online studiert werden.

Die Veröffentlichung der hier aufgenommenen ersten Fassung besorgte Carl Anton Spina in Wien k.k. Hof- u. pr. Kunst- u. Musikalienhandlung. (Medaille 1. Cl. der Pariser- Welt- Ind. Ausstllng. 1855) am 16.06.1862 als op. 165
Liederkranz Sammlung von Liedern aus dem Nachlasse für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte von Franz Schubert

1. Die Liebende schreibt D 673
2. Die Sternennächte D 670
3. Das Bild D 155
4. Die Täuschung D 230
5. Eine altschottische Ballade D 923

Deckblatt op. 165

In der alten Gesamtausgabe (AGA) 1895 ist die hier aufgenommene erste Fassung die zweite Fassung. Im Deutschverzeichnis wurde es zur ersten Fassung.

 


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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