Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Ludwig Uhland (1787-1862)

Wir empfehlen Ihnen, die Lieder mit einem Kopfhörer anzuhören!

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Boris Cepeda - Piano
Aufnahme: Freitag, 18. Juli 2008 - Berlin



Liedtext

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sey nicht bang!
Nun muß sich Alles, Alles wenden.


Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste Thal.
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich Alles, Alles wenden.

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: 1820

Veröffentlichung (angezeigt): 10. April 1823

Originaltonart: B

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Ludwig Uhland

Ludwig Uhland schrieb sein Gedicht im Alter von 25 Jahren 1812. 1815 veröffentlichte er es bei der Cotta’sche Verlagsbuchhandlung Stuttgart in seiner Gedichtsammlunge Gedichte. Es findet sich dort in auf Seite 54 in Rubrik Lieder->Frühlingslieder.

Zur Musik

Uhland hatte womöglich nicht unbedingt im Sinn, mit seinem Text auf gesellschaftliche Missstände zu verweisen. Vielleicht ging es ihm tatsächlich nur um das reine Naturschauspiel, dass er darzustellen suchte. Schubert jedoch schrieb vielleicht die drängende, sehnsüchtige Musik auch als politischen Fingerzeig. Denn die Entstehungszeit des Liedes fällt genau in die Zeit, in der die verstärkt auftretenden Repressalien im Polizeistaat Metternichs nach dem Wiener Kongress vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815 massiv zunahmen.
An dieser Stelle möchte ich noch auf eine Bezugnahme Hermann Hesses auf die Vertonung Schuberts hinweisen. Im 1943 erschienenen Roman Glasperlenspiel kann man auf den Seiten 66-67 die Assoziation Hesses mit Schuberts Frühlingsglaube nachlesen.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Das Manuskript der 2. Fassung des Liedes liegt in der Bayerischen Staatsbibliothek München. Es kann dort online studiert werden.
Das Manuskript der hier eingespielten 3. Fassung liegt in Staatsbibliothek zu Berlin, preussischer Kulturbesitz. Es kann ebenfalls online studiert werden.

Die Erstveröffentlichung besorgte Sauer & Leidesdorf, Wien als op. 20 gemeinsam mit Sei mir gegrüßt D.741 und Hänflings Liebeswerbung, D.552. Schubert widmete dieses Opus der wohlgebohrnen Frau Justina Edlen von Bruchmann, der Mutter von Franz von Bruchmann, der dem Schubertkreis angehörte.

Deckblatt op 20

Aus der Wiener Zeitung vom 10. April 1823:

Wiener Zeitung 1823 04 10

Schubert komponierte 1827 eine Fantasie für Violine und Klavier D. 934 zum Thema dieses Liedes. Veröffentlicht wurde diese Fantasie als op. post.159 im Jahr 1850.


Quelle(n)

Wiener Zeitung vom 10. April 1823

Ludwig Uhland, Gedichte, 1815, Stuttgart

Hermann Hesse, Das Glasperlenspiel. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1972, ISBN 3-518-36579-7

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.400


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Link zum Manuskript
schubertmanu

Quelle imslp.org o.a.: Frühlingsglaube.pdf