Komponist: Franz Schubert (1797-1828)
Textdichter: Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Samstag, 25. August 2012 - Berlin



Liedtext

heutige Schreibweise

Sag an, wer lehrt dich Lieder,
So schmeichelnd und so zart?
Sie [zaubern]1.1 einen Himmel
Aus trüber Gegenwart.
Erst lag das Land, verschleyert,
Im Nebel vor uns da -
Du singst - und Sonnen leuchten,
Und Frühling ist uns nah.

Den [Alten, Schilfbekränzten]1.2,
Der seine Urne gießt,
Erblickst du nicht, nur Wasser,
Wie's durch die Wiesen fließt.
So geht es auch dem Sänger,
Er [singt und]1.3 staunt in sich;
Was still ein Gott bereitet,
Befremdet ihn, wie dich.

1.1 Schubert: "rufen"
1.2 Schubert: "schilfbekränzten Alten"
1.3 Schubert: "singt, er"

Quelle(n) & alternative Kompositionen: www.lieder.net

Entstehung

komponiert: Oktober 1816

Veröffentlichung (angezeigt): 1887

Originaltonart: B-Dur

Liedform: durchkomponiert

Besonderheiten:

Zum Text

Textbild
Johann Mayrhofer

Mayrhofer war im Herbst 1816 mit Hermann, dem Sohn seines Juraprofessors Heinrich Josef Watteroth auf einer Wanderung nach Lilienfeld in Niederösterreich auch am Erlafsee (heute Erlauffsee) vorbeigekommen. Die Reise führte auch nach Lunz am See und zum  Wallfahrtsort Mariazell. Vermutlich haben Sie auch viel über Schubert gesprochen. Das Gedicht Erlafsee D 586, sowie die Gedichte Lunz (Abschied) D 475, Rückweg D 476 und besonders Geheimnis (An Franz Schubert) D 491 mögen unter diesem Eindruck entstanden sein. 2.1

Mayrhofer soll auch unglücklich verliebt gewesen sein in Mina (Wilhelmine Watteroth, die Tochter seines Professors Heinrich Josef Watteroth). 2.2 Diese heiratete jedoch später Josef Wilhelm Witteczek, der ebenfalls Jura bei Heinrich Josef Watteroth studiert hatte. 2.3

Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht trägt den Titel Geheimnis und findet sich auf Seite 9. Es trägt den Untertitel An F. Schubert2.4

Zuvor erschien es bereits 1821 im Conversationsblatt, Zeitschrift für wissenschaftliche Unterhaltung, Hrsg. von Franz Gräffer auf Seite 821 (sic!). 2.5

Auf der Seite lieder.net ist nachzulesen, dass Schubert die Gedichte Mayrhofer's üblicherweise als Handschrift erhielt. Dadurch erklären sich auch die vielen Änderungen zur Druckversion des Textes.

Zur Musik

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 3.1

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Franz Schubert war 19 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Schubert 1816 unter anderem die verschollene Prometheus-Kantate (o.g. Professor Watteroth gewidmet ... laut Schuberts Tagebuch, seine erste Komposition für Geld). 3.2

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung besorgte Max Friedländer beim Verlag C.F.Peters 1887.

 


Quelle(n)

2.1 Peter Härtling, Schubert, Verlag Kiepenheuer & Witsch, 2010, Abschnitt 16 sowie Otto Erich Deutsch, Schubert, Die Dokumente seines Lebens, Bärenreiter Kassel, 1964, S. 50

2.2 Wikipedia: Johann Mayrhofer, Wikipedia contributors, Wikipedia, The Free Encyclopedia. Date of last revision: 28 October 2018 21:11 UTC

2.3 WienGeschichteWiki: Heinrich Joseph Watteroth, Personendaten.

2.4 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Gedichte von Johann Mayrhofer, Wien, Verlag Friedrich Volke, 1824, Sig. 71.Bb.5.(Vol.1)

2.5 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ,

3.1 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst, Sig. 392789-C.20.21

3.2 Kreissle von Hellborn, Heinrich: Franz Schubert, Erstdruck: Wien (Carl Gerolds Sohn) 1865. S. 104

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.290


Geschrieben von: Peter Schöne

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 04, Nr. 269

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 11

Originalversion des Liedes

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Transposition für mittlere Stimme

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Quelle imslp.org o.a.: Geheimnis. An Franz Schubert.pdf