Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Johann Baptist Mayrhofer (1787-1836)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 07. August 2013 - Berlin

Liedtext

heutige Schreibweise

Auf seinem goldnen Trone
Der graue König sitzt -
[Er]1 starret in die Sonne,
Die rot [im]2 Westen blitzt.

Der [Sänger]3 rührt die Harfe,
Sie rauschet Siegessang;
Der Ernst jedoch, der scharfe,
Er trotzt dem vollen Klang.

Nun stimmt er süße Weisen,
An's Herz sich klammernd an:
Ob er ihn nicht mit leisen
Versuchen mildern kann.

[Vergeblich]4 ist sein Mühen,
Erschöpft des Liedes Reich -
Und auf der Stirne ziehen
Die Sorgen [wettergleich]5.

Der Barde, tief erbittert,
Schlägt [seine]6 Harf' entzwey,
Und durch die [Halle]7 zittert
Der Silbersaiten Schrei.

[Doch]8 wie auch Alle beben,
Der Herrscher zürnet nicht;
Der Gnade Strahlen schweben
Auf seinem Angesicht.

»Du wolle mich nicht zeihen
Der Unempfindlichkeit:
In lang verblühten Maien
Wie hast du mich erfreut!

Wie jede Lust gesteigert,
Die aus der Urne fiel!
Was mir ein Gott [verweigert]9,
Erstattete dein Spiel.

Vom kalten Herzen gleitet
[Nun]10 Liedeszauber ab;
Und immer näher [schreitet]11
Vergänglichkeit und Grab.«

1 Schubert (erste Bearbeitung): "Und"
2 Schubert: "in"
3 Schubert (erste Bearbeitung): "Barde"
4 Schubert (erste Bearbeitung): "Vergebens"
5 Schubert (Autograph der zweiten Bearbeitung): "wetterschwer"
6 Schubert (zweite Bearbeitung): "die"
7 Schubert: "Lüfte"
8 Schubert: "Und"
9 Schubert (Autograph der zweiten Bearbeitung): "geweigert"
10 Schubert (zweite Bearbeitung): "Dein"
11 Schubert (zweite Bearbeitung): "schreitet nun"

Zum Text

Johann Mayrhofer veröffentlichte seine Gedichte 1824 bei der eher kleinen Verlagsbuchhandlung Friedrich Volke in Wien. Diese Veröffentlichung ist als Digitalisat in der Österreichischen Nationalbibliothek online studierbar. Das Gedicht findet sich auf Seite 40ff. 12

Auf der Seite lieder.net ist nachzulesen, dass Schubert die Gedichte Mayrhofer's üblicherweise als Handschrift erhielt. Dadurch erklären sich auch die vielen Änderungen zur Druckversion des Textes.

Textbild
Johann Mayrhofer

Zur Musik

komponiert: September 1816

Veröffentlichung (angezeigt): 27. Juli 1833

Originaltonart: c-Moll

Liedform: mehrteiliges Lied

Besonderheiten:

Mayrhofer war ein enger Freund Franz Schuberts und wohnte drei Jahre von 1819-1821 gemeinsam mit ihm in einer Wohngemeinschaft. Er schreibt am 23. Februar 1829 im Neuen Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst in seinen Erinnerungen an Franz Schubert:

"Mein Verhältniß mit Franz Schubert wurde dadurch eingeleitet, daß ihm ein Jugendfreund das Gedicht „am See" – es ist das vierte in dem bei Volke 1824 erschienenen Bändchen – zur Komposition übergab. An des Freundes Hand betrat 1814 Schubert das Zimmer, welches wir 5 Jahre später gemeinsam bewohnen sollten. Es befindet sich in der Wipplingerstraße (heute Nr.2).
(...)
Dieses Grundgefühl, und die Liebe für Dichtung und Tonkunſt machten unser Verhältniß inniger; ich dichtete,er komponierte, was ich gedichtet, und wovon Vieles seinen Melodien Entstehung, Fortbildung und Verbreitung verdankt." 13

Dieser engen Beziehung verdanken wir 47 Gedichtvertonungen durch Schubert.

Schubert war 19 Jahre alt, als er dieses Lied schrieb.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Die Erstveröffentlichung der Ersten Fassung geschah durch Dr. Eusebius Mandyczewski im Rahmen der Alten Gesamtausgabe.

Die Erstveröffentlichung der hier vertonten zweiten Fassung besorgte Diabelli & Co. als Nachlaß-Lieferung Nr. 23 14

Schwestergruß D 762 von Bruchmann
Liedesend D 473 Ballade von J. Mayrhofer

In Musik gesetzt für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte von Franz Schubert.

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 27. Juli 1833: 15

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 04, Nr. 249

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 10

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

12 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Gedichte von Johann Mayrhofer, Wien, Verlag Friedrich Volke, 1824, Sig. 71.Bb.5.(Vol.1)

13 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, Neues Archiv für Geschichte, Staatenkunde, Literatur und Kunst, Signatur: 392789-C.20.21

14 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Ant. Diabelli und Comp., 1833 Erstdruck Nachlass 23, Sig. SH.Schubert.547

15 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen, ANNO, Österreichisch-kaiserliche privilegierte Wiener Zeitung Jhg. 1833, Ausgabe vom 27. Juli, Seite 4

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.280

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Liedesend - zweite Fassung.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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