Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Friedrich von Schiller (1759-1805)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Olga Monakh - Piano
Aufnahme: Mittwoch, 15. Mai 2013 - Berlin

Liedtext

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach;
Den Blick nur durft' ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich was er sprach.
Leis' komm' ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug' der Welt!

Von Ferne mit verworr'nem Sausen
Arbeitet der geschäft'ge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn' ich schwerer Hämmer Schlag.
So sauer ringt die kargen Lose
Der Mensch dem harten Himmel ab;
Doch leicht erworben, aus dem Schoße
Der Götter fällt das Glück herab.

Dass ja die Menschen nie es hören,
Wie treue Lieb' uns still beglückt!
Sie können nur die Freude stören,
Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
Als Beute wird es nur gehascht,
Entwenden musst du's oder rauben,
Eh dich die Missgunst überrascht.

Leis auf den Zehen kommt's geschlichen,
Die Stille liebt es und die Nacht,
Mit schnellen Füßen ist's entwichen,
Wo des Verräters Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend mit empörter Welle
Verteidige dies Heiligtum.

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach,
Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich was er sprach.
Leis schleich ich her in deine Stille,
Du schön belaubtes Buchenzelt,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug der Welt.

Von ferne mit verworrnem Sausen
Arbeitet der geschäftge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn ich schwerer Hämmer Schlag.
So sauer ringt die kargen Loose
Der Mensch dem harten Himmel ab,
Doch leicht erworben, aus dem Schoose
Der Götter fällt das Glück herab.

Daß ja die Menschen nie es hören,
Wie treue Lieb' uns still beglückt!
Sie können nur die Freude stöhren,
Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
Als Beute wird es nur gehascht,
Entwenden mußt du's oder rauben,
Eh dich die Mißgunst überrascht.

Leis auf den Zähen kommts geschlichen
Die Stille liebt es und die Nacht,
Mit schnellen Füßen ists entwichen,
Wo des Verräthers Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend mit empörter Welle
Vertheidige dieß Heiligthum.

Musen-Almanach 1798

Sie konnte mir kein Wörtchen sagen,
Zu viele Lauscher waren wach,
Den Blick nur durft ich schüchtern fragen,
Und wohl verstand ich was er sprach.
Leis komm ich her in deine Stille,
Du schönbelaubtes Buchengrün,
Verbirg in deiner grünen Hülle
Die Liebenden dem Aug der Welt.

Von ferne mit verworr'nem Sausen
Arbeitet der geschäft'ge Tag,
Und durch der Stimmen hohles Brausen
Erkenn' ich schwerer Hämmer Schlag!
So sauer ringt die kargen Loose
Der Mensch dem harten Himmel ab;
Doch leicht erworben, aus dem Schoosse
Der Götter fällt das Glück herab.

Dass ja die Menschen nie es hören,
Wie treue Liebe still beglückt;
Sie können nur die Freude stören,
Weil Freude nie sie selbst entzückt.
Die Welt wird nie das Glück erlauben,
Als Beute nur wird es gehascht,
Entwenden mußt du's oder rauben,
Eh dich die Missgunst überrascht.

Leis' auf den Zehen kommt's geschlichen
Die Stille liebt es und die Nacht,
Mit schnellen Füßen ist's entwichen,
Wo des Verräthers Auge wacht.
O schlinge dich, du sanfte Quelle,
Ein breiter Strom um uns herum,
Und drohend, mit empörter Welle
Vertheidige dies Heiligthum.

1. Strophe Autograph
2-4. Strophe Erstdruck

Zum Text

Schiller veröffentlichte sein 1797 verfasstes Gedicht Geheimniß zum ersten Mal im von ihm selbst herausgegebenen Musen-Almanach für das Jahr 1798 auf S. 299f. 2.1

Textbild
Musenalmanach

Zur Musik

komponiert: 07. August 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 1872

Originaltonart: As-Dur

Liedform: Strophenlied

Besonderheiten:

Schubert und Schiller sind sich nie begegnet, denn Schubert war erst 8 Jahre und 3 Monate alt, als Schiller starb. Dennoch haben die Texte und Gedichte Friedrich Schillers offenbar einen tiefen Eindruck auf Schubert gemacht und ihn immer wieder zu Vertonungen inspiriert.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er 39 Texte von Schiller in Musik fasste. Dazu zählen die ersten uns bekannten Vertonungen ebenso wie einige der letzten, die Schubert schrieb.
Zählt man alle Fragmente und Entwürfe zusammen, die heute laut Deutschverzeichnis bekannt sind, so kommt man auf nicht weniger als 77 Werke, die uns vorliegen. Die meisten entstanden in der Jugend Schuberts. Allein 66 Kompositionen in der Zeit zwischen 1811 und 1817. In dieser Zeit war Schubert zwischen 14 und 20 Jahre alt.

Schiller-Vertonungen auf dieser Homepage.

Die vorliegende Vertonung schrieb Schubert im Alter von 18 Jahren.

Schubert hatte vermutlich nicht vorgesehen, dass das Lied mit allen Strophen gesungen wird, denn üblicherweise setzt er dann am Ende eines Liedes mit mehreren Strophen Wiederholungszeichen. Außerdem ergibt sich gleich am Beginn der zweiten Strophe eine ungelenke Verschiebung der Betonung beim Wort "arbeitet", die Schubert so sicherlich nicht gewollt hat. Wir haben das Lied trotzdem der Vollständigkeit halber mit allen Strophen aufgenommen.

Eine weitere Bearbeitung dieses Textes entstand 1823 D 793 (veröffentlicht als op. 173 Nr. 2).

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Manuskript in der Wienbibliothek im Rathaus

Die Veröffentlichung erfolgte 1872 in Wien, bei J. P. Gotthard. V.N.325-361 als
Neueste Folge nachgelassener Lieder und Gesänge von Franz Schubert 4.2

▪ Wiedersehn D 855 (Adolf von Schultner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Gondelfahrer D 808 (Dem Meistersänger Julius Stockhausen verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Am Flusse D 766 (Dem Meistersänger Julius Stockhausen verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Nachthymne D 687 (Dem Meistersänger Julius Stockhausen verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Nach einem Gewitter D 561 (Adolf von Schultner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Grablied auf einen Soldaten D 454
▪ Der gute Hirt D 449 (Adolf von Schultner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Das gestörte Glück D 309 (Adolf von Schultner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ An die Sonne D 272 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Abends unter der Linde D 237 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Liebeständelei D 206 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Ammenlied D 122
▪ Die Sehnsucht D 359 (Fräulein Helene Magnus, k.k. Kammersängerin gewidmet vom Verleger)
▪ Hoffnung D 251 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Rückweg D 476 (Fräulein Maria Ambros gewidmet vom Verleger)
▪ Der Knabe in der Wiege D 579 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Lebensmuth D 937 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Der Jüngling und der Tod D 545 (Adolf von Schultner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ La Pastorella D 528 (Fräulein Anna Regan gewidmet vom Verleger)
▪ Nachtviolen D 752 (Fräulein Maria Ambros gewidmet vom Verleger)
▪ Klage D 371 (Herrn Dr. Josef Truttner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Der Knabe D 692 (Herrn Nicolaus Dumba verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Hoffnung D 295 (Herrn Nicolaus Dumba verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Herbstlied D 502 (Fräulein Helene Magnus, k.k. Kammersängerin gewidmet vom Verleger)
▪ Aus Diego Manzanares D 458 (Frau Louise Dustmann, k.k. Kammer & Hofopernsängerin verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Die verfehlte Stunde D 409 (Frau Louise Dustmann, k.k. Kammer & Hofopernsängerin verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Der Fluß D 693 (Fräulein Maria Ambros gewidmet vom Verleger)
▪ Das Geheimnis D 250 (Dem Meistersänger Julius Stockhausen verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Liebesrausch D 179 (Herrn Nicolaus Dumba verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Die Sterne D 176 (Herrn Dr. Josef Truttner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Die Perle D 466 (Herrn Nicolaus Dumba verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Leiden der Trennung D 509 (Fräulein Helene Magnus, k.k. Kammersängerin gewidmet vom Verleger)
▪ Der Morgendkuss D 264 (Herrn Dr. Josef Truttner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Die Liebe. Klärchens Lied D 210 (Frau Louise Dustmann, k.k. Kammer & Hofopernsängerin verehrungsvoll gewidmet vom Verleger)
▪ Sängers Morgenlied D 165 (Herrn Dr. Josef Truttner freundschaftlichst gewidmet vom Verleger)
▪ Der Flüchtling D 402 (Gustav Walter k.k. Hofopern= und Kammersänger gewidmet vom Verleger)
▪ Vier Hymnen D 659 - 662 (Herrn P. Leop.Puschlverehrungsvoll gewidmet vom Verleger)

Deckblatt Nachlass

Johann Peter Gotthard schrieb folgende Worte zu seiner Veröffentlichung:

Nachlass 1872 Nachwort

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 03, Nr. 105

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 13

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

2.1 Friedrich Schiller, Musen-Almanach für das Jahr 1798, Verlag Cotta, Tübingen u. Weimar, Digitalisierte Sammlungen der Herzogin Anna Amalia Bibliothek Weimar

4.2 Österreichische Nationalbibliothek, Digitalisierte Sammlungen - Erstdruck Neueste Folge nachgelassener Lieder und Gesänge von Franz Schubert, Sig.: SH.Schubert.652 MUS MAG

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.160

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Das Geheimnis.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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