Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Ludwig Christoph Heinrich Hölty (1748-1776)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Holger Berndsen - Piano
Aufnahme: Montag, 07. September 2015 - München

Liedtext

Es liebt' in Welschland irgendwo
Ein schöner junger Ritter
Ein Mädchen, das der Welt entfloh,
Trotz Klostertor und Gitter;
Sprach viel von seiner Liebespein,
Und schwur, auf seinen Knieen,
Sie aus dem Kerker zu befreien,
Und stets für sie zu glühen.

»Bei diesem Muttergottesbild,
Bei diesem Jesuskinde,
Das ihre Mutterarme füllt,
Schwör' ich's dir, o Belinde!
Dir ist mein ganzes Herz geweiht,
So lang ich Odem habe;
Bei meiner Seelen Seligkeit!
Dich lieb' ich bis zum Grabe.«

Was glaubt ein armes Mädchen nicht,
Zumal in einer Zelle?
Ach! sie vergaß der Nonnenpflicht,
Des Himmels und der Hölle,
Die, von den Engeln angeschaut,
Sich ihrem Jesu weihte,
Die reine schöne Gottesbraut,
Ward eines Frevlers Beute.

Drauf wurde, wie die Männer sind,
Sein Herz von Stund' an lauer,
Er überließ das arme Kind
Auf ewig ihrer Trauer.
Vergaß der alten Zärtlichkeit,
Und aller seiner Eide,
Und floh, im bunten Galakleid,
Nach neuer Augenweide;

Begann mit andern Weibern Reihn,
Im kerzenhellen Saale,
Gab andern Weibern Schmeichelein,
Beim lauten Traubenmahle,
Und rühmte sich des Minneglücks
Bei seiner schönen Nonne,
Und jedes Kusses, jedes Blicks,
Und jeder andern Wonne,

Die Nonne, voll von welscher Wut,
Entglüht' in ihrem Mute,
Und sann auf nichts als Dolch und Blut.
Und träumte nur von Blute.
Sie dingte plötzlich eine Schaar
Von wilden Meuchelmördern,
Den Mann, der treulos worden war,
Ins Totenreich zu fördern.

Die bohren manches Mörderschwert
In seine schwarze Seele:
Sein schwarzer, falscher Geist entfährt,
Wie Schwefeldampf der Höhle.
Er wimmert durch die Luft, wo sein
Ein Krallenteufel harret;
Drauf ward sein blutendes Gebein
In eine Gruft verscharret.

Die Nonne flog, wie Nacht begann,
Zur kleinen Dorfkapelle,
Und riß den wunden Rittersmann
Aus seiner Ruhestelle.
Riß ihm das Bubenherz heraus,
Und warf's, den Zorn zu büßen,
Daß dumpf erscholl das Gotteshaus,
Und trat es mit dem Füßen.

Ihr Geist soll, wie die Sagen gehn,
In dieser Kirche weilen,
Und, bis im Dorf die Hähne krähn,
Bald wimmern, und bald heulen.
Sobald der Hammer zwölfe schlägt,
Rauscht sie, an Grabsteinwänden,
Aus einer Gruft empor, und trägt
Ein blutend Herz in Händen.

Die tiefen, hohlen Augen sprühn
Ein düsterrotes Feuer,
Und glühn, wie Schwefelflammen glühn,
Durch ihren weißen Schleier.
Sie gafft auf das zerrißne Herz,
Mit wilder Rachgebärde,
Und hebt es dreimal himmelwärts,
Und wirft es auf die Erde;

Und rollt die Augen voller Wut,
Die eine Hölle blicken,
Und schüttelt aus dem Schleier Blut,
Und stampft das Herz in Stücken.
Ein bleicher Totenflimmer macht
Indess die Fenster helle.
Der Wächter, der das Dorf bewacht,
Sah's oft in der Kapelle.

Es liebt' in Welschland irgendwo
Ein schöner junger Ritter
Ein Mädchen, das der Welt entfloh,
Troz Klosterthor und Gitter;
Sprach viel von seiner Liebespein,
Und schwur, auf seinen Knieen,
Sie aus dem Kerker zu befreyn,
Und stets für sie zu glühen.

"Bey diesem Muttergottesbild,
Bey diesem Jesuskinde,
Das ihre Mutterarme füllt,
Schwör' ich's dir, o Belinde!
Dir ist mein ganzes Herz geweiht,
So lang ich Odem habe,
Bey meiner Seelen Seligkeit!
Dich lieb' ich bis zum Grabe."

Was glaubt ein armes Mädchen nicht,
Zumal in einer Zelle?
Ach! sie vergaß der Nonnenpflicht,
Des Himmels und der Hölle.
Die, von den Engeln angeschaut,
Sich ihrem Jesu weihte,
Die reine schöne Gottesbraut,
Ward eines Frevlers Beute.

Drauf wurde, wie die Männer sind,
Sein Herz von Stund' an lauer,
Er überließ das arme Kind
Auf ewig ihrer Trauer,
Vergaß der alten Zärtlichkeit
Und aller seiner Eide,
Und flog, im bunten Gallakleid,
Nach neuer Augenweide;

Begann mit andern Weibern Reihn,
Im kerzenhellen Saale,
Gab andern Weibern Schmeicheleyn,
Beym lauten Traubenmahle.
Und rühmte sich des Minneglücks
Bey seiner schönen Nonne,
Und jedes Kusses, jedes Blicks
Und jeder andern Wonne.

Die Nonne, voll von welscher Wut,
Entglüht' in ihrem Muthe,
Und sann auf nichts als Dolch und Blut,
Und schwamm in lauter Blute.
Sie dingte plözlich eine Schaar
Von wilden Meuchelmördern,
Den Mann, der treulos worden war,
Ins Todtenreich zu fördern.

Die bohren manches Mörderschwert
In seine schwarze Seele;
Sein schwarzer falscher Geist entfährt,
Wie Schwefeldampf der Höhle;
Er wimmert durch die Luft, wo sein
Ein Krallenteufel harret.
Drauf ward sein blutendes Gebein
In eine Gruft verscharret.

Die Nonne flog, wie Nacht begann,
Zur kleinen Dorfkapelle,
Und riß den wunden Rittersmann
Aus seiner Ruhestelle,
Riß ihm das Bubenherz heraus,
Recht ihren Zorn zu büßen,
Und trat es, daß das Gotteshaus
Erschallte, mit den Füßen.

Ihr Geist soll, wie die Sagen gehn,
In dieser Kirche weilen,
Und, bis im Dorf die Hahnen krähn,
Bald wimmern, und bald heulen.
So bald der Seiger zwölfe schlägt,
Rauscht sie, an Grabsteinwänden,
Aus einer Gruft empor, und trägt
Ein blutend Herz in Händen.

Die tiefen hohlen Augen sprühn
Ein düsterrothes Feuer,
Und glühn, wie Schwefelflammen glühn,
Durch ihren weißen Schleyer.
Sie gafft auf das zerrißne Herz,
Mit wilder Rachgeberde,
Und hebt es dreymal himmelwärts,
Und wirft es auf die Erde;

Und rollt die Augen voller Wut,
Die eine Hölle blicken,
Und schüttelt aus dem Schleyer Blut,
Und stampft das Herz in Stücken.
Ein dunkler Todtenflimmer macht
Indeß die Fenster helle.
Der Wächter, der das Dorf bewacht,
Sah's oft in der Kapelle.

Es liebt' in Welschland irgendwo
Ein schöner junger Ritter
Ein Mädchen, das der Welt entfloh,
Trotz Klosterthor und Gitter;
Sprach viel von seiner Liebespein,
Und schwur, auf seinen Knieen,
Sie aus dem Kerker zu befreyen,
Und stets für sie zu glühen.

"Bey diesem Muttergottesbild,
Bey diesem Jesuskinde,
Das ihre Mutterarme füllt,
Schwör' ich's dir, o Belinde!
Dir ist mein ganzes Herz geweiht,
So lang ich Odem habe,
Bey meiner Seelen Seligkeit!
Dich lieb' ich bis zum Grabe."

Was glaubt ein armes Mädchen nicht,
Zumal in einer Zelle?
Ach sie vergaß der Nonnenpflicht,
Des Himmels und der Hölle.
Die, von den Engeln angeschaut,
Sich ihrem Jesu weihte,
Die reine schöne Gottesbraut,
Ward eines Frevlers Beute.

Drauf wurde, wie die Männer sind,
Sein Herz von Stund' an lauer,
Er überließ das arme Kind
Auf ewig ihrer Trauer,
Vergaß der alten Zärtlichkeit
Und aller seiner Eide,
Und flog, im bunten Gallakleid,
Nach neuer Augenweide;

Begann mit andern Weibern Reihn,
Im kerzenhellen Saale,
Gab andern Weibern Schmeicheleyn,
Beym lauten Traubenmahle.
Und rühmte sich des Minneglücks
Bey seiner schönen Nonne,
Und jedes Kusses, jedes Blicks
Und jeder andern Wonne.

Die Nonne, voll von welscher Wuth,
Entglüht' in ihrem Muthe,
Und sann auf nichts als Dolch und Blut,
Und träumte nur von Blute.
Sie dingte plötzlich eine Schaar
Von wilden Meuchelmördern,
Den Mann, der treulos worden war,
Ins Todtenreich zu fördern.

Die bohren manches Mörderschwert
In seine schwarze Seele;
Sein schwarzer falscher Geist entfährt,
Wie Schwefeldampf der Höhle;
Er wimmert durch die Luft, wo sein
Ein Krallenteufel harret.
Drauf ward sein blutendes Gebein
In eine Gruft verscharrt.

Die Nonne flog, wie Nacht begann,
Zur kleinen Dorfkapelle,
Und riß den wunden Rittersmann
Aus seiner Ruhestelle,
Riß ihm das Bubenherz heraus,
Und warf's, den Zorn zu büßen,
Daß dumpf erscholl das Gotteshaus,
Und trat es mit den Füßen.

Ihr Geist soll, wie die Sagen gehn,
In dieser Kirche weilen,
Und, bis im Dorf die Hahnen krähn,
Bald wimmern, und bald heulen.
So bald der Hammer zwölfe schlägt,
Rauscht sie, an Grabsteinwänden,
Aus einer Gruft empor, und trägt
Ein blutend Herz in Händen.

Die tiefen hohlen Augen sprühn
Ein düsterrothes Feuer,
Und glühn, wie Schwefelflammen glühn,
Durch ihren weißen Schleyer.
Sie gafft auf das zerrißne Herz,
Mit wilder Rachgeberde,
Und hebt es dreymal himmelwärts,
Und wirft es auf die Erde;

Und rollt die Augen voller Wuth,
Die eine Hölle blicken,
Und schüttelt aus dem Schleyer Blut,
Und stampft das Herz in Stücken.
Ein dunkler Todtenflimmer macht
Indeß die Fenster helle.
Der Wächter, der das Dorf bewacht,
Sahs oft in der Kapelle.

Zum Text

Ludwig Christoph Heinrich Hölty muss ein ungeheuer wissbegieriger Mensch gewesen sein. Schon als kleiner Junge las er alles, was er in die Hände bekam. Man sagt, er sei ein sehr hübscher Junge gewesen. Jedoch wurde er von Blattern entstellt genau in der Woche, in der auch seine Mutter an Schwindsucht starb. Er selbst durfte kaum 28 Jahre alt werden, als auch ihn die Schwindsucht hinweg raffte. 2.1

Die vorliegende Ballade schrieb Hölty 1774 im Alter von 26 Jahren. Unter dem Titel Die Nonne erschien sie zuerst in Poetische Blumenlese auf das Jahr 1775, herausgegeben von Johann Christian Dieterich in Göttingen. S.186ff.

Digitalisat des Erstdrucks auf Hathitrust.org

Weitere Veröffentlichungen:
Gedichte von Ludewig Heinrich Christoph Hölty. Besorgt durch seine Freunde Friederich Leopold Grafen zu Stolberg und Johann Heinrich Voß. Hamburg, bei Carl Ernst Bohn. 1783, S. 60ff.

Hölty, Ludwig Christoph Heinrich, and Bauer, Bernhard Philipp Verleger. Ludw. Heinr. Ch. Hölty's Gedichte. Neueste Auflage ed. Wien: Bey B. Ph. Bauer, 1816 S.35

Textbild
Ludwig Christoph Heinrich Hölty.
In: Gedichte, Wien: F. A. Schrämbl, 1790

Zur Musik

komponiert: 16. Juni 1815

Veröffentlichung (angezeigt): 1895

Originaltonart: As

Liedform: Lied-Kantate mit Strophenlied am Ende

Besonderheiten:

Schubert hat in seinen beiden produktivsten Jahren 1815 und 1816, zählt man alle laut Deutsch-Verzeichnis vorliegenden Lieder, Fassungen, Bearbeitungen und Entwürfe zusammen, insgesamt 40 mal Texte von Hölty vertont.
Unter diesen Vertonungen findet sich unter anderem eines der bekanntesten Schubertlieder - die Seligkeit D433.

Alle bisher eingespielten Hölty-Vertonungen auf dieser Webseite.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Ein Manuskript der zweiten Fassung liegt in der Wienbibliothek im Rathaus. Es wurde erst 1898 wiederentdeckt. Zusammen mit anderen Autographen von Schubert und Beethoven lag es verstaubt auf dem Kirchenchor von St. Peter in Wien.
Über die Entdeckung und die vier Jahre später erfolgte Veröffentlichung durch Josef Mantuani kann man einen Bericht aus erster Hand in der Zeitschrift Die Musik Jhg. 1902 auf den Seiten 1373-1391 lesen. Ein Digitalisat findet sich hier. 4.1

Die Veröffentlichung besorgte Eusebius Mandyczewski im Rahmen der Alten Gesamtausgabe 1894 Serie XX, Bd. 2 Nr. 76.

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 02, Nr. 77

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 08

Bärenreiter Urtext VII » 26

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

2.1 Voss, Johann Heinrich: Gedichte von L.H.C.Hölty, Verlag Carl Ernst Bohn, Hamburg, 1804

4.1 Die Musik, Jhg. 1 Band 3 Herausgeber: Bernhard Schuster, Verlag M. Hesse., I. & II. Maiheft 1902, S. 1373ff.

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.139

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Die Nonne - zweite Version.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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