Komponist: Franz Schubert (1797-1828) Textdichter: Ludwig Rellstab (1799-1860)

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Interpreten: Peter Schöne - Bariton / Alexander Fleischer - Piano
Aufnahme: Freitag, 24. September 2021 - Hirschberg

Liedtext

Nimm die letzten Abschiedsküsse,
Und die wehenden, die Grüße,
Die ich noch ans Ufer sende
Eh' Dein Fuß sich scheidend wende!
Schon wird von des Stromes Wogen
Rasch der Nachen fortgezogen,
Doch den tränendunklen Blick
Zieht die Sehnsucht stets zurück!

Und so trägt mich denn die Welle
Fort mit unerflehter Schnelle.
Ach, schon ist die Flur verschwunden
Wo ich selig Sie gefunden!
Ewig hin, ihr Wonnetage!
Hoffnungsleer verhallt die Klage
Um das schöne Heimatland,
Wo ich ihre Liebe fand.

Sieh, wie flieht der Strand vorüber,
Und wie drängt es mich hinüber,
Zieht mit unnennbaren Banden,
An der Hütte dort zu landen,
In der Laube dort zu weilen;
Doch des Stromes Wellen eilen
Weiter, ohne Rast und Ruh,
Führen mich dem Weltmeer zu!

Ach, vor jener dunklen Wüste,
Fern von jeder heitern Küste,
Wo kein Eiland zu erschauen,
O, wie faßt mich zitternd Grauen!
Wehmutstränen sanft zu bringen,
Kann kein Lied vom Ufer dringen;
Nur der Sturm weht kalt daher
Durch das grau gehob'ne Meer!

Kann des Auges sehnend Schweifen
Keine Ufer mehr ergreifen,
Nun so schau ich zu den Sternen
Auf in jenen heil'gen Fernen!
Ach bei ihrem milden Scheine
Nannt' ich sie zuerst die Meine;
Dort vielleicht, o tröstend Glück!
Dort begegn' ich ihrem Blick.

Nimm die letzten Abschiedsküsse,
Und die wehenden, die Grüße,
Die ich noch ans Ufer sende
Eh Dein Fuß sich scheidend wende!
Schon wird von des Stromes Wogen
Rasch der Nachen fort gezogen,
Doch den thränend dunklen Blick
Zieht die Sehnsucht stets zurück!

Und so trägt mich denn die Welle
Fort mit unerflehter Schnelle.
Ach, schon ist die Flur verschwunden
Wo ich seelig Sie gefunden!
Ewig hin ihr Wonnetage!
Hoffnungsleer verhallt die Klage
Um das schöne Heimathland,
Wo ich ihre Liebe fand.

Sieh, wie flieht der Strand vorüber,
Und wie drängt es mich hinüber,
Zieht mit unnennbaren Banden,
An der Hütte dort zu landen,
In der Laube dort zu weilen; -
Doch des Stromes Wellen eilen
Weiter ohne Rast und Ruh,
Führen mich dem Weltmeer zu.

Ach, vor jener dunklen Wüste,
Fern von jeder heitern Küste,
Wo kein Eiland zu erschauen,
O wie faßt mich zitternd Grauen!
Wehmuthsthränen sanft zu bringen,
Kann kein Lied vom Ufer dringen;
Nur der Sturm weht kalt daher
Durch das grau gehob'ne Meer!

Kann des Auges sehnend Schweifen
Keine Ufer mehr ergreifen,
Nun, so blick' ich zu den Sternen
Dort in jenen heil'gen Fernen!
Ach bei ihrem milden Scheine
Nannt' ich sie zuerst die Meine;
Dort vielleicht, o tröstend Glück!
Dort begegn' ich ihrem Blick.

Zum Text

Ludwig Rellstab weilte im Frühjahr 1825 in Wien, um Beethoven kennenzulernen. Er legte ihm auch seine Gedichte zur Vertonung vor. Sein Gedicht Auf dem Strom erschien am 2. August 1826 im Mitternachtblatt für gebildete Stände verlegt von Friedrich Vieweg in Braunschweig.

Digitalisat online

Weitere Ausgabe 1827 in Gedichte von Ludwig Rellstab, Erstes Bändchen bei Friedrich Laue, Berlin, S. 120f.

Digitalisat online 
Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf 

Zur Musik

komponiert: März 1828

Veröffentlichung (angezeigt): 27. Oktober 1829

Originaltonart: E-Dur

Liedform: durchkomponiert

Besonderheiten:

Rellstab und Schubert sind sich nicht begegnet, aber Rellstab schildert in seinen Memoiren Aus meinem Leben Band 2 auf S. 245, wie seine Gedichte in Schuberts Hände gelangten:

Diese Blättchen [die er Beethoven eigenhändig in dessen Wohnung in Wien brachte - Anm. d. Verf.] sind nicht verloren gegangen; Herr Professor Schindler hat sie mir vor Jahren aus Beethoven's Nachlaß zurück gestellt. Einige waren mit Bleistiftzeichen versehen, von Beethoven's eigener Hand; es waren diejenigen, welche ihm am besten gefielen, und die er damals an Schubert zur Composition gegeben, weil er selbst sich zu unwohl fühlte. In dessen Gesangscompositionen finden sie sich auch, und einige davon sind ganz allgemein bekannt geworden. Mit Rührung empfing ich die Blättchen zurück, die einen so eigenthümlichen, aber der Kunst fruchtbar gewordenen Weg gemacht hatten, bis sie wieder zu mir zurückkehrten. 3.1

10 Gedichte von Rellstab hat Schubert vertont. Alle kurz vor Ende seines viel zu kurzen Lebens.

Zur Veröffentlichung

Zur Quellenlage (Manuskripte etc.) kann man sich im thematischen Verzeichnis von O.E.Deutsch informieren.

Das Manuskript des Liedes liegt in der Library der Harvard University Cambridge (Massachusetts).
Es kann online studiert werden.

 

Den Erstdruck besorgte Maximilian Joseph Leidesdorf in Wien angezeigt am 27.10.1829 als op. posth. 119, VN1161 4.1

Auf dem Strom Gedicht von Rellstab.
In Musik gesetzt für Gesang mit Begleitung des Pianoforte und Waldhorn oder Violoncelle (ad libitum) von Franz Schubert
Op. 119. M. J. Leidesdorf

Aus der amtlichen Wiener Zeitung vom 27. Oktober 1829 - S.3 4.2

Noten

Alte Gesamtausgabe Serie XX, Bd. 10, Nr. 568

Neue Gesamtausgabe IV, Bd. 14

Link zum Manuskript
schubertmanu

Erstdruck

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Originalversion des Liedes

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Quelle(n)

3.1 Aus meinem Leben: L. Rellstab, Band 2, Verlag J. Guttentag, 1861, Original von Bayerische Staatsbibliothek

4.1 Österreichische Nationalbibliothek - Digitalisierte Sammlungen, Erstdruck op. posth. 119 Wien, Sign: SH.Schubert.422

4.2 Österreichische Nationalbibliothek - ANNO, Digitalisierte historische Zeitungen und Zeitschriften, Wiener Zeitung, Jhg. 1829, Ausgabe vom 27.10.

Deutsch, Otto Erich. Franz Schubert: Thematisches Verzeichnis seiner Werke in chronologischer Folge, Bärenreiter 1967, S.604

Noten-Quelle auf imslp.org o.ä.: Auf dem Strom.pdf

Textquelle und alternative Kompositionen: www.lieder.net

Geschrieben von: Peter Schöne

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